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Viele denken heute, ein Liberaler, das sei einer, der die Steuern senken und dann möglichst vom Staat und der Gemeinschaft der Bürger in Ruhe gelassen werden will. Wer so denkt, sei auf das Vorbild des Liberalen Ralf Dahrendorf verwiesen. Im Jahr 1965 rief er dem autoritären Geist in jener Bundesrepublik, die in diesem Jahr, 2009, im milden Licht einer selbstverständlichen, von Anfang an gesicherten demokratischen Entwicklung gefeiert wird, die Worte entgegen: “Es gibt Winkel dieser Gesellschaft, in denen die oft gedankenlose Unmenschlichkeit als System fortlebt. Es gibt den beißenden Kontrast des Geredes von der Humanität zu der Gleichgültigkeit gegenüber dem Leben.” Es sei “diese Mischung von theoretischer Humanität und praktischer Unmenschlichkeit, die Deutschland zuweilen so unerträglich macht”.