Black Hawk Down (2001)
R war krank und so gab es heute statt Stammtisch einen Krankenbesuch. Ich kam in die Wohnung, als R gerade “Black Hawk Down” in den DVD-Player legte und so haben wir beschlossen, uns den Film gemeinsam anzuschaun. (Sie ist übrigens die einzige Frau die ich kenne, die meine Liebe zum Autorenkino ignoriert und mehr auf Action-Filme steht. “Ach, das wäre ein Film für Dich, der war fad.” Hehe.) Okey, soweit die Einleitung.
Ridley Scott legt hier gutes Handwerk ab, ein Krieg aus der Perspektive eines GI’s wird einleuchtend dargestellt, es ist kein “Anti-Kriegs-Film” eines Formats wie “Apokalypse Now” oder “Full Metal Jacket”, aber es geht auch nicht um Vietnam, das schwarz/weiß ist noch grauer geworden und das Debakel von “Mog” war Teil einer UNO “Friedenstruppen” Stationierung in Somalia. Der Film veranschaulicht das “Computerspiel”, das sich moderne Kriegsführung nennt und ist in seiner Nüchternheit schon ein interessantes Filmdokument seiner Zeit.
So frage ich mich nun generell, was einen Menschen dazu treibt, für sein Land, seinen Staat, seine Religion oder seine Familie, das Leben auf’s Spiel zu setzen. Ja, auch Familie. Diese wird ja immer bei der “Gewissensprüfung” (die es nun nicht mehr gibt, aber immer noch Stammtischrealität schreibt) als der große Joker gegen Pazifismus herangezogen. Wir müssen auch über diesen Punkt nachdenken, weil die Frage gilt generell: Wieso bin ich bereit, mein Leben zu geben? Ausgerechnet noch dazu etwas wie der Mensch, der sich seiner Sterblichkeit durchwegs bewusst ist. Der Wert des Lebens an sich entpuppt sich als Schlüssel für Frieden.
Ich bin derzeit von der Lektüre Satres’ beeinflusst und diese bietet mir eine mögliche Erklärung: Die eigene bewusste Entscheidung über den Zeitpunkt meines Todes, kann die Sinnhaftigkeit meiner Existenz ins Unendliche potenzieren. Man stellt den Sinn von “sich selbst” hinter ein Gut, das meinen Tod überdauern wird und modifiziert somit die empfundene Sinnlosigkeit in ein sinnvolles Matyrium. (Vielleicht erklärt sich dadurch auch die immer wieder funktionierende Überzeugungskraft reaktionärer militaristischer Bünde. Sie gibt Sinn für eine als sinnlos empfundene Gegenwart.)
Die Bereitschaft zur Aufopferung findet sich in Religionen, in politischen Systemen, bei Liebespaaren, in Familienverbänden, eigentlich überall, wo sich ein Individuum in eine Gemeinschaft integrieren möchte. Dieser Drang ist so alt wie die Menschheit selbst. Aus diesem Grund wage ich es noch nicht, diesen Trieb an sich als “Falsch” zu bezeichnen. Dazu habe ich ihn noch nicht eingehend genug studiert. Dass dieser Trieb aber die Ursache für Krieg, Mord und Totschlag sein könnte, dass die gesamtgesellschaftliche Akzeptanz dazu führen könnte, dass Mensch einfach zur Bestie werden darf, ist ebenso der Untersuchung wert. Wieso fordern Buddha, oder auch Jesus, ihre Jünger sonst dazu auf, das Verlassen der Gemeinschaft an den Beginn ihrer metaphysischen Tätigkeit zu setzen? Erhöht die Separation die Macht der religiösen Führer, oder erkennen sie, dass “Gemeinschaft” das Wesen des Menschen entfremdet? Ich stocher hier in einem Wespennest, das Grundlage für ein ganzes Buch sein könnte.
- Fortsetzung folgt -