29. Dezember 1908: Der Geburtstag des evangelischen Theologen Helmut Gollwitzer
29. Dezember 1908: Der Geburtstag des evangelischen Theologen Helmut Gollwitzer
30. März 1984: Der Todestag des Theologen Karl Rahner
Irgendwie habe ich immer mehr den Verdacht, dass Josef Ratzinger die anthropologische Wende des II. Vatikanischen Konsils in Frage stellt. Sein Handeln deutet auf eine entsprechende Haltung hin und dies halte ich für eine besorgniserregende Entwicklung. Und weil gerade Ostern ist, muss ich meine Ausführungen heute noch etwas ausführlicher gestalten:
Je mehr Wissen in mir auf Grund sickert, desto größer halte ich die Gefahr, die von einem “Gott des Selbstgespräches” ausgeht. Die nach Innen gewandte Verehrung Gottes steht im eindeutigen Gegensatz zur Intention des Religionsstifters, der ein Gottesbild der Nächstenliebe propagiert hat: “Wenn du Gott suchst, dann findest Du ihn im Nächsten.” Dieses ganz wichtige, humanistische und weltliche Dogma wird gleich nach der Kreuzigung wieder ins Gegenteil gewandelt und damit pervertiert.
Der “Gott des Selbstgespräches” ist ein Gott der Elite, ein Gott der Mönche und Nonnen, der Priester und damit der Macht. Der Gott des Gebets in aller Stille - oder der Meditation - ist ein Gegner der Tat, der Liebe und der Gemeinschaft und damit genau das Gegenteil einer “Imitatio Christi”, nämlich eines Nachahmens der gelebten Vorgabe. Die Gedanken von Karl Rahner und die damit verbundene “anthropologische Wende” versuchen, den Humanismus der christlichen Ethik wieder für Menschlichkeit zu öffnen. Ich bin Protestant … und ein Fan des II. Vatikanischen Konzils. Damit hätte ich gut weiterhin leben können, es wäre zumindest eine Diskussionsbasis gewesen. Rührt dieses Fundament ja nicht an!
Miles Davis - So What?
Das gleißende Licht des Existenzialismus blendet mich auch noch 24 h später. Ich habe Pierre Teilhard de Chardin’s Evolutionstheorie unkritisch übernommen und ging immer davon aus, dass das Leben bzw. die Entwicklung des Lebens in Natur und Gesellschaft auf ein Ziel gerichtet arbeiten. Diese abendländische Sicht liegt als Raster auf all meinem Denken und jetzt gibt es dort ein weißes Blatt Papier. Keine Linie mehr.
“Wenn die Existenz dem Wesen vorausgeht, das heißt, wenn die Tatsache, dass wir existieren, uns nicht von der Notwendigkeit entlastet, uns unser Wesen erst durch unser Handeln zu schaffen, dann sind wir damit, solange wir leben, zur Freiheit verurteilt…”
Jean-Paul Satre
Aus einem blöden Vorurteil heraus, habe ich die französische Philosophie des 20. Jhdts vollkommen aus meinem Fokus gedrängt; letztendlich eine sehr fatale Entscheidung, denn ich habe ihre Warnungen überhört und hatte nie erkannt, zu welcher Sklaverei “Sinnhaftigkeit” sich entwickeln kann. Es ist wie die Entspannungsübung, die ich beim Tauchen gelernt habe. Wenn du meinst, du erstickst, hast du noch 50 % Luft zum Überleben. Meine Muskeln sind ein einziger Krampf, weil ich niemals losließ, mich nie entspannen konnte. Jetzt schwebe ich. Frei.